

Neben eher marginalen Beständen aus Festland-Südostasien und einer kleinen Sammlung aus den Philippinen liegt der Schwerpunkt der Südostasien-Sammlung auf Indonesien. Eine Besonderheit ist hierbei, dass die bei uns bekannten Inseln und Kulturen – etwa Java, Bali und Borneo – darin eher spärlich vertreten sind. Umfangreich und zum Teil weltweit einmalig sind dagegen die Sammlungen aus Ostindonesien. Leider verbrannten gegen Ende des Zweiten Weltkriegs fast alle Großobjekte; erhalten blieben jedoch die Karteikarten mit ihren Objektzeichnungen und Abzügen alter SW-Fotos.

Bernhard Hagen stellte bei der Gründung des Museums 1904 seine private Sammlung aus Sumatra zunächst als Leihgabe zur Verfügung. 1905 sammelte er erneut für das Museum: auf Sumatra und in geringerem Umfang auch auf Java. Seine Sammlung enthält daher vor allem Objekte der Kubu, Batak, Gayo und Alas.
Die nächste wichtige Sammlung erwarb das Ehepaar Johannes Elbert und ihr Assistent C. Gründler 1910 im Rahmen einer geographisch-botanischen Expedition auf Südost-Sulawesi und den vorgelagerten Inseln Muna, Butung und Kabaena. Die ethnographische Sammlung besteht hauptsächlich aus Gegenständen des Alltagslebens.

Von herausragender Bedeutung wegen Qualität und Umfang ist die über 1000 Objekte umfassende Sammlung von Ernst Vatter. Dieser bereiste 1928/29 mit seiner Frau Johanna den Solor-Alor-Archipel in Ostindonesien, sammelte und dokumentierte detailliert vor allem Textilien, Flechtarbeiten, Schmuck und Alltagsgegenstände.
Auf der Ceram-Expedition 1937/38 sammelten die Mitarbeiter des Museums und Frobenius-Instituts Hermann Niggemeyer, Josef Röder und Adolf E. Jensen. Im Krieg gingen nicht nur viele ihrer Stücke sondern auch fast alle Forschungsnotizen verloren, noch ehe sie ausgewertet werden konnten. Trotzdem ist auch dies ein wichtiger Sammlungskomplex, der die früheren Ceram-Sammlungen (Slg. Denninger 1913, Slg. Stresemann/2. Freiburger Molukken-Expedition 1919) in vielen Bereichen ergänzt.

Mitte der 1980er Jahre kamen zwei Sammlungen altjavanischer Terrakotten des javanischen Majapahit-Reiches (12.-15. Jh.) hinzu (Slg. Refuge und Slg. Karow), die 1987 erstmalig präsentiert wurden. Mit über 500 Objekten, darunter eine große Zahl figürlicher Darstellungen von Gottheiten, Dienern und Tieren sowie Gebrauchs- und Baukeramik, sind diese Bestände in Deutschland einzigartig.
Ferner wurden und werden seit Beginn der 1990er Jahre vom Abteilungskustos Achim Sibeth Zeremonialobjekte, Teile von Hausarchitektur und traditioneller Schmuck aus Mittel-Flores aus Privatsammlungen und teilweise Kunsthandel erworben. Diese Objekte ergänzen die bisher geringen Bestände aus dieser Region, und werten den Sammlungsbereich Indonesien im Bereich Großobjekte und ausgefallenem Gold- und Silberschmuck erheblich auf.

Ein weiterer Sammlungsbereich ist die zeitgenössische und moderne Kunst Indonesien, deren erste Bilder bereits Mitte der 1980er Jahr erworben wurden. Bislang liegt der Sammelschwerpunkt auf Kunstwerken junger akademisch gebildeter KünstlerInnen aus Bali, deren Werke in bislang drei Ausstellungen präsentiert werden konnten. Neueste Erwerbungen von 1999-2002 und 2007 dokumentieren, wie diese KünstlerInnen mit Folgen der Moderne (Tourismus, Globalisierung, Kulturwandel, Kunstmarkt etc.) umgehen und in ihrer Kunst darauf reagieren.

Insgesamt verfügt die Sammlung Südostasien ca. 10.000 Objekte. Als ‚Randregionen’ gehören in den Verantwortungsbereich der Abteilung auch noch die Sammlungen aus Südasien: ca. 2.000 Objekte aus Indien, Pakistan und Himalaya-Region. Der frühere Kustos Hermann Niggemeyer sammelte in den 1950er Jahren vor allem bei den Kuttia Kond in Orissa; Ursula Sagaster erwarb im Auftrag des Museums in den 1980er Jahren eine umfangreiche Sammlung von Alltagsobjekten der Balti (Pakistan).



